Borderline

Das Wort „Borderline“ kommt aus dem englischen und bedeutet frei übersetzt soviel wie „Grenzlinie“. Diese Bezeichnung beruht darauf, dass Wissenschaftler früher annahmen, dass das Krankheitsbild zwischen Psychose und Neurose schwankt. Aufgrund der vielfältigen Symptomatik konnte die Erkrankung weder der einen noch der anderen Gruppe eindeutig zugeordnet werden. Daher der Name „Grenzlinie“.
Heute ist jedoch klar, dass es sich weder um eine Psychose noch um eine Neurose handelt sondern um eine Persönlichkeitsstörungen. Wissenschaftler bezeichnen das Borderline-Syndrom als eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist. Gegen Borderline gibt es keine Tabletten, Impfstoff oder sonstiges Heilmittel. Die einzige Möglichkeit für Betroffene ist es einen geeigneten Weg zu finden mit der Diagnose leben zu lernen.

Typische Merkmale der Diagnose sind das sogenannte „schwarz-weiß-Denken“ und die Art wie Betroffene ihre Gefühle wahrnehmen. Borderliner nehmen ihre Gefühle um ein mehrfaches stärker wahr als Nicht-Betroffene. Das heißt sie sind nicht einfach nur glücklich sondern überglücklich; nicht leicht frustriert sondern zu todebetrübt. Alle Emotionen sind um ein vielfaches stärker. Deshalb kann es passieren, dass ein Borderliner wegen einer „Kleinigkeit“ komplett ausrastet. Für euch mag die Reaktion vollkommen übertrieben wirken, doch bedenkt man, dass er seine Wut um einiges intensiver wahrnimmt, erklärt dass auch die übertriebene Reaktion. Extreme Gefühle erzeugen extreme Reaktionen. Überhaupt neigen Borderliner in allen Lebensbereichen zu Extremen. Ihre Welt spaltet sich sozusagen in schwarz und weiß. Es gibt nur entweder ganz oder gar nicht. Etwas dazwischen ist für sie nur schwer zu erkennen.

Borderline ist zu einem Drittel genetisch bedingt, zu einem Drittel durch ein traumatisches Erlebnis und das letzte Drittel entsteht durch die fehlende Fähigkeit dieses Trauma zu verarbeiten. Das heißt, dass es unmöglich ist sich davor zu schützen. Auf keinen dieser drei Komponenten besitzen wir einen Einfluss.

Unsere Gene werden uns genauso wie die Fähigkeit Dinge… zu verarbeiten von Geburt an mitgegeben und was in unserem Leben passiert, können wir nur in geringen Maßen beeinflussen. Wir können zwar selbst entscheiden, ob wir in der Schule lernen, welchen Beruf wir ausüben möchten und wie wir unsere Freizeit verbringen – doch wir werden nicht gefragt ob wir erleben möchten, dass sich unsere Eltern scheiden lassen, ein geliebtes Familienmitglied oder Freund stirbt, wir geschlagen, vergewaltigt oder missbraucht werden wollen…

Bei den letzteren Beispielen würde nie jemand: „Hier! Ich stelle mich zur Verfügung!“ schreien. Dies alles können Auslöser für Borderline sein – müssen es aber nicht. Es gibt Menschen, die sehr gut mit ihrem Trauma leben können oder eine andere psychische Störung entwickeln. Für die Entstehung des Borderline-Syndroms müssen alle drei Faktoren zusammenspielen. Es ist ein Irrglaube, dass ein Traumata ausreicht, eine Borderlinestörung zu entwickeln. Genauso wie es ein Irrglaube ist, dass alle Betroffenen in ihrer Kindheit missbraucht oder vergewaltigt wurden. Das trifft zwar auf einen großen Teil zu – jedoch nicht auf alle. Bei einigen Betroffenen gab es auch nie ein großes Traumata, sondern ganz viele kleine einzelne, die sich irgendwann zu einem „riesen“ Problem aufgestaut haben und so zu einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung geführt haben.

Der Auslöser für die Erkrankung liegt in den meisten Fällen in der frühen Kindheit bis Anfang der Jugend (natürlich gibt es auch hierbei Ausnahmen), die Symptome werden allerdings meist erst Jahre später sichtbar. Da Borderline der Gruppe der Persönlichkeitsstörungen zugeordnet ist und sich die Persönlichkeit erst nach dem 18. Lebensjahr komplett entwickelt und gefestigt hat, wird erst nach Erreichen der Volljährigkeit die Diagnose endgültig festgestellt. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können zwar die Diagnosekriterien erfüllen, doch die Diagnose heißt lediglich „Verdacht auf Borderline“ obwohl in einigen Fällen ein Wunder geschehen müsste, damit sich die Symptome in Luft auflösen.

 

10 Fakten über die Diagnose Borderline

  1. Nicht jeder Borderlinebetroffene verletzt sich selbst und nicht jeder der sich selbst verletzt ist gleich ein Borderliner. Selbstverletzendes Verhalten kann auch als „Begleiterscheinung“ einer Depression, nach einem Trauma, zeitweise in der Pubertät, Zwangsstörungen und noch weiteren (psychischen) Erkrankungen auftreten. Außerdem ist selbstverletzendes Verhalten lediglich eines von neun Diagnosekriterien. Um die Diagnose Borderline zu stellen müssen mindestens fünf dieser Kriterien erfüllt sein. Das heißt die Diagnose Borderline kann auch auf Menschen zutreffen, die sich nicht selbst verletzen und/ oder selbst Schaden zufügen.

 

  1. In Deutschland sind ca. 2 Prozent der Bevölkerung von der Diagnose Borderline betroffen. Das sind ca. 1,6 Millionen Menschen.

 

  1. Die Diagnose Borderline kann erst endgültig nach Erreichen des 18. Lebensjahres gestellt werden. Zuvor ist es lediglich ein Verdacht beziehungsweise Tendenzen zu einer Borderlinestörung. Der Grund hierfür ist, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen bis zu seinem 18. Lebensjahr noch nicht gefestigt hat und sich dadurch eventuell noch verändern kann. Allerdings gibt es Fälle von Betroffenen (die noch keine 18 Jahre alt sind), bei denen es sehr, sehr unwahrscheinlich und fast schon ausgeschlossen ist, dass sich die Symptome urplötzlich wieder in Luft auflösen. Trotzdem wird bis zu der endgültigen Diagnose in den allermeisten bis zum 18. Lebensjahr gewartet. (wenige Ausnahmen sind möglich)

 

  1. Borderline ist nicht heilbar. Betroffene können lediglich lerne damit zu leben. Außerdem ist es möglich, dass einzelne Symptome weitestgehend zurückgehen oder manchmal auch komplett verschwinden. Dann trifft die Diagnose nicht mehr vollständig zu. Doch Tendenzen zu Borderline werden bei Betroffenen immer vorhanden bleiben.

 

  1. Nicht jeder Borderlinebetroffene wurde sexuell Missbraucht. Zwar wurde ein großer Teil der Betroffenen in seiner Kindheit/ Jungend vergewaltigt und/ oder sexuell missbraucht – allerdings bei weitem nicht alle.

 

  1. Borderline tritt häufig mit noch weiteren psychischen Erkrankungen zusammen auf. Zum Beispiel leiden ca. 80 Prozent der Betroffenen noch zusätzlich an Depressionen, bei 14 Prozent lässt sich eine Essstörung diagnostizieren und nach neusten Studien gehen Forscher davon aus, dass knapp 50 Prozent der Betroffenen noch zusätzlich ADHS, also eine Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung haben. Das heißt sie sind leicht abzulenken, besitzen nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, haben Probleme sich lange auf eine einzelne Sache zu konzentrieren und einen hohen Bewegungsdrang.Außerdem sind häufig noch Suchtverhalten und/ oder Substanzmittelmissbrauch, Ängste, Zwänge, gestörtes Sozialverhalten, Schlafstörungen oder Kontaktarmut beziehungsweise Abbruch sämtlicher Kontakte bei Menschen mit der Diagnose Borderline zu beobachten.

 

  1. Auf so gut wie jeden Menschen trifft mindestens ein Diagnosekriterium zu. (Meist sind es sogar zwei bis drei Diagnosekriterien)

 

  1. Borderlinebetroffene sind nicht „verrückt“ sondern lediglich „anders“. Sie sind weder „geisteskrank“ noch verhalten sie sich wie Monster. Der einzige Unterschied zwischen Borderlinebetroffenen und „normalen“ Menschen ist, dass Borderlinebetroffe „anders“ denken und eine andere Art haben ihre Gefühle wahrzunehmen. Das führt zwangläufig dazu, dass sie sich in bestimmten Situationen auch anders verhalten als Nicht-Betroffene.

 

  1. Borderline ist weder tödlich noch ansteckend. Man kann mit Betroffenen genauso reden, feiern, Freundschaften schließen, Kontakt haben etc. wie mit allen anderen Menschen auf dieser Erde auch. Borderlinebetroffene beißen nicht, sind nicht giftig und der Kontakt mit ihnen ist auch nicht tödlich. Und die Gefahr sich mit Borderline anzustecken liegt bei null Prozent J

 

  1. Der Begriff „Borderline“ bedeutet freiübersetzt soviel wie „Grenzlinie“. Diese Bezeichnung beruht darauf, dass Wissenschaftler früher annahmen, dass das Krankheitsbild zwischen Psychose und Neurose schwankt. Aufgrund der vielfältigen Symptomatik konnte die Erkrankung weder der einen noch der anderen Gruppe eindeutig zugeordnet werden. Daher der Name „Grenzlinie“.Heute ist jedoch klar, dass es sich weder um eine Psychose noch um eine Neurose handelt sondern um eine Persönlichkeitsstörungen.

 

Einen Dank an Laura Adrian für die Erklärung von Borderline