Burnout

Der volkswirtschaftliche Schaden eines Burnouts bei Früherkennung sind rd. € 2.000,–, bei Späterkennung zwischen € 93.000,– und € 130.000,– pro Betroffenen (Arztkosten, Medikamentekosten, Krankenhausaufenthalte, Kliniken, Therapien).

Der wirtschaftliche Schaden für ein Unternehmen, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin auf dem Weg in ein Burnout und/oder in eine Depression ist bzw. in ein Burnout gerät, ist ähnlich dem volkswirtschaftlichen, wenn man es in der Frühphase oder erst in der Spätphase erkennt. So belaufen sich die Kosten alleine für die Leistungsreduktion bei Späterkennung ebenfalls zwischen € 90.000,– und € 112.000,– pro Betroffenen.

Die in dieser Zeit vermehrt auftretenden und länger anhaltenden Krankenstände, die untrennbar mit Burnout und Depressionen verbunden sind, sind in diesen Berechnungen noch nicht einbezogen und müssen diesen Zahlen noch hinzugerechnet werden. Und ebenfalls nicht in diese Berechnungen miteinbezogen sind die in dieser Zeit vermehrt auftretende Fehlerhäufigkeit und das verstärkte Ausmaß von Fehlern, die ebenfalls untrennbar mit Burnout verbunden sind und ebenfalls noch diesen Zahlen hinzuzurechnen sind.

Lt. Studien von den Business Doctors, von market agent und dem Fonds Gesundes Österreich leiden je nach Studie 19 %, 23 % bzw. 25 % der österreichischen, arbeitenden Bevölkerung bereits an wesentlich erhöhten Burnout-Symptom-Werten.

Und wenn man diese Zahlen auf sein Unternehmen umliegt und meinetwegen einen Durschnittswert von 20 % (der in Wirklichkeit gar kein Durchschnittswert ist, sondern nur eine runde Zahl um leichter rechnen zu können) hernimmt, dann kann man ganz leicht erkennen, was auf jedes Unternehmen und auf jeden Unternehmer zukommt, wenn sie sich  nicht rechtzeitig mit diesem Thema auseinandersetzen und es nicht ernst nehmen.

Wobei auch hier noch immer gar nicht berücksichtigt ist, dass Sie in Ihrem Unternehmen nicht nur direkt betroffene Mitarbeiter haben können, sondern auch indirekt Betroffene in Form des Lebenspartners, eines Elternteiles, eines oder mehrer Kinder, und weil wir wissen, dass, wenn jemand in der Familie die Diagnose Burnout und/oder Depressionen erhält, der Rest der Familie nicht gleich weitermachen und seine geforderten Leistungen im Alltagsleben, im Berufsleben, in der Schule wie bisher erbringen kann, das geht gar nicht, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Und wie wenig man, auch die Zuständigen und Verantwortlichen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, über Burnout Bescheid wissen, zeigen die Zahlen, dass, wenn ein Burnout erst im Spätstadium erkannt wird, die Wiederholungswahrscheinlichkeit der Diagnose innerhalb von 3 Jahren bei 25 % liegt. Das bedeutet letztendlich, dass die Betroffenen, auch von gesetzlicher Seite her, wieder viel zu früh in den Arbeitsprozess hineingepresst werden.

Es liegt aber nicht nur die Wiederholungswahrscheinlichkeit der Diagnose innerhalb von 3 Jahren bei 25 %, sondern auch die Frühpensionierungswahrscheinlichkeit innerhalb von 3 Jahren bei 25 %. Das heißt, dass Sie den Mitarbeiter vollkommen verlieren, liegt bei 25 %!!!

Wie sieht der Verlauf des Weges in ein Burnout aus?

Anhand des hier angeführten 12 Phasen Modell kann man den Verlauf gut erkennen. Der Betroffen selbst kann jedoch am Weg in das Burnout diese Phasen nicht wahrnehmen bzw. selbst nicht erkennen. Vielmehr sind die Personen in seiner Umgebung gefragt, die die Veränderung der Persönlichkeit mitbekommen und rechtzeitig Hilfe bieten können.

Das 10 Phasen Modell

  1. Phase: Der Zwang sich zu beweisen
  2. Phase: Verstärkter Einsatz
  3. Phase: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  4. Phase: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  5. Phase: Umdeutung von Werten
  6. Phase: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
  7. Phase: Rückzug
  8. Phase: Deutliche Verhaltensänderungen
  9. Phase: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
  10. Phase: innere Leere
  11. Phase: Depression und Erschöpfung
  12. Phase: Vollständige Burnout Erschöpfung

nach Freudenberger und North

Hier alle Phasen genauer erklärt:

Phase 1: Der Zwang sich zu beweisen

  • Besondere Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit
  • Erhöhte Erwartungen an sich selbst
  • Übersehen eigener Grenzen und Zurückstellen eigener Bedürfnisse

 

Phase 2: Verstärkter Einsatz

  • Besondere Bereitschaft zur Übernahme von neuen Aufgaben
  • Freiwillige Mehrarbeit und unbezahlte Überstunden, auch an freien Tagen, am Wochenende und in der Urlaubszeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit

 

Phase 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

  • Chronische Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  • Mehrkonsum von Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten
  • Gelegentliche Schlafstörungen

 

Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

  • Fehlleistungen wie z.B.: Vergessen von Terminen, Nichterledigen von versprochenen Aufgaben, Ungenauigkeit, Energiemangel, Schwächegefühl
  • Aufgabe von Hobbys

 

Phase 5: Umdeutung von Werten

  • Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Meiden privater Kontakte, die als belastend empfunden werden
  • Probleme mit dem/r PartnerIn, mit Zeichen des Beziehungs-Burnouts

 

Phase 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme

  • Gefühl mangelnder Anerkennung, Desillusionierung
  • Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, Arbeitszeiteinstellung, die als innere Kündigung bezeichnet werden kann
  • Vermehrte Fehlzeiten, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss

 

Phase 7: Rückzug

  • Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühle, innere Lehre
  • Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität
  • Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit
  • Psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck

 

Phase 8: Deutliche Verhaltensänderung

  • Eigenbrötelei, Selbstmitleid, Einsamkeit, ärgerliche Reaktionen auf gut gemeinte Zuwendung
  • Verringerte Initiative – verringerte Produktivität: Dienst nach Vorschrift
  • Verflachung des sozialen Lebens: Gleichgültigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Verflachung des sozialen Lebens: Wenig persönliche Anteilnahme an anderen, gleichzeitig exzessive Bindung an Einzelne, Meidung beruflich-sozialer Kontakte

 

Phase 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

  • Entfremdung, Gefühl des „Abgestorben seins“ und innere Leere
  • Sie beschreiben sich als „Maschinen die funktionieren (müssen)”
  • Psychosomatische Reaktionen treten noch mehr in den Vordergrund

 

Phase10: Innere Leere

  • Wechsel zwischen starken schmerzhaften Emotionen mit dem Gefühl des inneren „Abgestorben seins“
  • Phobische Zustände, Panikattacken und Angst vor Menschen
  • Eigenbrötelei, Einsamkeit, negative Einstellung zum Leben
  • Fallweise exzessive sinnliche Befriedigung, z.B.: Kaufräusche, Fressattacken, exzessiver Sex ohne wirkliche Befriedigung

 

Phase 11: Depression und Erschöpfung

  • Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit
  • Erschöpfung, starker Wunsch nach Dauerschlaf
  • Existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken und -absichten

 

Phase 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

  • Lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung
  • Angegriffenes Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen
  • Suizidalität, Selbstmordgefahr