PTBS

Seltsames Selbst- und Welterleben – PTBS = ‚Posttraumatische Belastungsstörung‘

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann als eine verzögerte, psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, resp. einer Situation mit extrem belastenden Ereignissen verstanden werden. Dabei erlebt der Mensch eine außergewöhnlich starke Bedrohung, die mit Gefühlen von Ohnmacht, Angst und „schutzloser Preisgabe“ verbunden ist (vgl. Fischer/Riedesser, 2009).

Je nach personalen und umweltspezifischen Resilienzpotentialen (Bindungs- und Stützangebote, Transparenz und Anerkennung des Ereignisses, u. a.) kann das Erfahrene positiv klärend und stabilisierend in das eigene biografische Erleben integriert werden und der Entwicklung einer ‚Posttraumatischen Belastungsstörung(ICD 10 F 43.1; DSM V) entgegengewirkt werden.

Die akute Belastungsreaktion (ICD 10: F 43.0) zeichnet sich durch Symptome der Verstörung, des Sich-Betäubt-Fühlens, der Unruhe, von Schlafstörungen und einer kurzfristigen Amnesie aus. Diese psychophysiologischen Reaktionen klingen jedoch nach einigen Tagen wieder ab.

Wenn sich jedoch die unter traumatischem Stress entstandenen Symptome intensivieren, ausbreiten und nach vier Wochen keine deutliche Linderung eintritt, kann von einer Posttraumatischen Belastungsreaktion (ICD 10: F 43.1) gesprochen werden (vgl. ICD 10, 2013). Mindestens jedoch muss die posttraumatische Symptomatik innerhalb von sechs Monaten nach dem traumatischen Erlebnis auftreten.

Es gibt zwei Formen der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Im Rahmen des ICD 11 wird es die Klassifikation einer Komplexen posttraumatischen Belastungsstörung geben.

Eine ‚Posttraumatische Belastungsstörung‘ zeigt folgende mit dem belastenden Ereignis assoziierten Hauptsymptome (DSM V):

B: Wiedererleben (Intrusion): wiederholt unwillkürlich aufdrängende Erinnerungen an Einzelfragmente des belastenden Ereignisses; ‚Flashbacks‘,

C: Vermeidungsverhalten (Konstriktion): verschiedenste Phobien hinsichtlich externer Reize, emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit, erhöhte Dissoziationsneigung (somatoform und psychisch),

D: Negative Veränderungen in Kognitionen und Stimmung:

  1. Unfähigkeit, einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern,
  2. Persistierende und übertriebene negative Überzeugungen oder Erwartungen über sich selbst andere oder die Welt (z.B. ich bin schlecht, man kann niemanden trauen…),
  3. Persistierende, verzerrte Gedanken über die Ursache oder Konsequenzen des traumatischen Ereignisses, die zu Beschuldigung führen (sich oder andere),
  4. Persistierende negative Gefühlszustände (Angst, Ärger, Wut, Scham, Schuld)
  5. Deutlich vermindertes Interesse oder verminderte Teilnahme an wichtigen Aktivitäten,
  6. Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen,
  7. Anhaltende Unfähigkeit, positive Emotionen zu empfinden,

E: Vegetative Übererregung: (Schlafstörung, Reizbarkeit, Konzentrationsstörung, erhöhte Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit, u. a.).

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Eine Abklärung beim Facharzt für Psychiatrie, eine psychologische Diagnostik und eine traumaspezifische Psychotherapie (Brainspotting, EMDR, Ego-State-Therapie, Struktursensible Stabilisationsarbeit, u. a.) bereiten den Weg zur ‚Integration des belastenden Ereignisses‘ in die eigene Lebensgeschichte und ein Abklingen der posttraumatischen Belastungssymptome. Stützende und tragfähige Bindungen zu Angehörigen und Bekannten sind eine unerlässliche Heilungskomponente, die die Wiederanknüpfung an die Alltagswirklichkeit der Betreffenden maßgeblich fördert.

Dabei spielt vor allem das Erleben der ‚Selbstwirksamkeit‘ die bedeutendste Rolle ‚Ich kann etwas gegen das vermeintliche Nichts-Tun-Können‘ tun!‘

Die Anknüpfung an die eigenen Ressourcen, Potentiale und Ideen hat ‚wiederbelebenden‘ Charakter und vermittelt wiederum ein ‚In-der-Welt-Sein‘.